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26. Juni 2007, 20.15 Uhr
Das Experiment ist Ausgangspunkt für die Komposition. Abenteuerlust, Entdeckerfreude. Gitarrensaiten, die zufällig in der Wohnung herumlagen, knüpfte Michael Maierhof an die des Flügels. Wann wird die angestrichene Gitarrensaite auch das Klavier zum Klingen bringen, ohne, dass eine Taste angeschlagen wird? Das war der Ursprung von „splitting 28“, einem der vier Werke, die zur Eröffnung des Wissenschaftssommers am 26. Juni aufgeführt werden, drei davon zum ersten Mal. In „splitting 26“, ebenfalls eine Uraufführung, wechseln Einspielungen von rauschendem und tropfendem Wasser ab mit Stimmgeräuschen: Die Sängerin zieht und presst Atemluft zwischen Zunge, Lippen und Zähnen her. Das klingt nach Angst, Panik, nach Druck - eine Relativierung des sommerfrischen Wasserplätscherns. Das Stück ist auch Bestandteil der Ausstellung im kunst:raum sylt quelle. Der Titel „splitting“, bezieht sich auf die Spaltung eines traditionellen Tons in verschiedene Klangfasern. Maierhof versucht, die elektronische Musik, also die Synthese eines Klanges durch Überlagerung von Klangwellen, mit analogen Mitteln nachzubauen.
„Die Reflektionsprozesse lasse ich erst möglichst spät einfließen“, erklärt er, „wichtig ist zunächst das Experiment, wie bei einem Versuchsaufbau der Physiker.“ Ebenfalls aus der Physik stammt der Konzerttitel: Mehrere schwingende Systeme wie die beiden Saiten verstärken oder hemmen sich gegenseitig - so wie auch Klima und Wetter als Zusammenwirken offener Systeme beschrieben werden.
Michael Maierhof, 1956 in Fulda geboren, studierte zunächst Mathematik in Kassel. Auf der Suche nach einem Ausgleich begann er mit dem Musikstudium, brachte in kurzer Zeit und ohne Vorkenntnisse seine Fähigkeiten auf Klavier und Cello auf Universitätsniveau. In Hamburg, wo er auch heute noch wohnt, kamen die Fächer Philosophie und Kunstgeschichte hinzu. Als Leiter eines Kammerchores fand er es mühsam, Werke von Webern, Schönberg oder Ligeti mit unterschiedlich geübten Sängern einzustudieren und arbeitete für den Chor lieber selbst neue Werke nach Maß. „Ich habe über Jahre hinweg Musik geschrieben, ohne mich als Komponist zu definieren“, sagt er.
Inzwischen werden seine Werke in ganz Europa, in den USA und in Korea aufgeführt; sie gehörten zur Auswahl der deutschen Gesellschaft für Neue Musik für die Weltmusiktage, Maierhof unterrichtete unter anderem am Trinity College in Dublin, am Salzburger Mozarteum und am California Arts Institute in Los Angeles. Aus der mathematisch-philosophischen Schule habe er ein grundsätzliches Denken mitgenommen, sagt Maierhof. Da steht ein Klavier – was ist das eigentlich? Was kann das? „Ich sehe als erstes den Resonanzraum“, stellt der Komponist fest. Eine weitere Folge seines ungewöhnlichen Weges: die strenge Form seiner Werke, die klare Gliederung. Die Pause, der Nicht-Klang, macht in manchen Stücken die Hälfte der Gesamtzeit aus. „Ich kann als Komponist auch Stille ermöglichen“, sagt Maierhof. „Schließlich sind die Konzertsäle die ruhigsten Räume der Stadt.“
