- kunst:raum konzept
- Bildende Kunst
- kunstsammlung
- Publikationen
- Inselschreiber
- Stipendien / Preise
- Wissen
- Kultur fördern
- Künstlerinsel Sylt
- Newsletter
- Anfahrt
- Kontakt / Impressum
09. Juli 2007, 20.15 Uhr
Sie trafen sich zum ersten Mal in Koktebel im Sommer des Jahres 1915, eher beiläufig, Marina Zwetajewa war 23 und verheiratet, Ossip Mandelstam 24. Fünf Jahre zuvor hatte sie ihren ersten Gedichtband „Abendalbum“ veröffentlicht und war dadurch dem Dichter und Kritiker Maximilian Woloschin aufgefallen, der ihr Mentor wurde. Woloschin wohnte in Koktebel am Schwarzen Meer, sein Haus war Treffpunkt zahlreicher Künstler, auch ihren Ehemann hatte Zwetajewa dort kennengelernt. Später dann jene flüchtige Begegnung mit Mandelstam, der seit seinem Gedichtband „Der Stein“ von 1913 in Literatenkreisen bekannt war. Im Januar 1916 lernten sie sich dann bei einer Lesung in St. Petersburg kennen, als Zwetajewa zurück nach Moskau fuhr, reiste Mandelstam ihr nach. Ihre Affäre dauerte bis Juni 1916 ebenso wie ihre poetische Korrespondenz, Gedichte voll Verehrung und dunkler Vorahnungen.
1922 ging Marina Zwetajewa ins Exil, zunächst nach Berlin und Prag, dann nach Paris. 1931 stieß sie beim Sortieren alter Briefe auf den Artikel eines emigrierten Dichters, der ein Jahr zuvor in einer russischen Zeitung in Paris erschienen war und Mandelstam und seine Dichtung verzerrt und verfälscht darstellt. Daraufhin schrieb sie „Die Geschichte einer Widmung“, deren letzter Teil „Verteidigung des Gewesenen“ heißt, um zu verhindern, dass die Erinnerung an jene Zeit und der Name des Dichters Mandelstam „in den Keller hinabgezogen“ werden.
Mandelstam wurde in den „Säuberungen“ unter Stalin 1934 zum ersten Mal verhaftet und starb 1938 in einem Arbeitslager. Marina Zwetajewas Ehemann hatte in Paris für einen Vorläufer des KGB spioniert, so dass erst er und 1939 auch sie in die Sowjetunion zurückkehren mussten. Ihr Mann wurde 1941 erschossen, sie mit ihrem Sohn nach Tatarstan gebracht, wo sie sich im August 1941 das Leben nahm. Prosa und Lyrik von Marina Zwetajewa liest an diesem Abend die Schauspielerin Barbara Schnitzler. Die gebürtige Berlinerin studierte an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Seit 1977 ist sie Mitglied des Deutschen Theaters Berlin, außerdem bekannt aus zahlreichen Fernsehfilmen und Serien.
Marina Zwetajewa sei eine großartige Lyrikerin, sagt Barbara Schnitzler: „Vor vielen Jahren wollte ich schon einmal ein Zwetajewa-Programm machen, damals ist mir eine Kollegin zuvorgekommen. Daher freue ich mich jetzt besonders über diesen Abend und genieße es, mich lesend auf die Reise zu begeben.“
Der Abend wird musikalisch ergänzt von Remus Azoitei (Violine) und Eduard Stan (Klavier) mit Werken von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Sergej Rachmaninow, Arvo Pärt, Jean Sibelius und George Enescu.
Remus Azoitei debütierte als Achtjähriger als Konzertsolist, studierte an der Juillard School in New York, gewann erste Preise bei internationalen Wettbewerben und ist seit 2003 Professor für Violine an der Royal Academy of Music in London. Eduard Stan hatte Unterricht bei Karl-Heinz Kämmerling und studierte in Hannover. Er konzertierte in vielen europäischen Ländern und den USA, ist mehrfacher Wettbewerbs-Preisträger und seit 2000 Dozent an der Musikhochschule Lübeck. Anfang des Jahres ist bei Hänssler die erste CD der weltweit ersten Gesamteinspielung der Werke für Violine und Klavier von George Enescu erschienen. Für die Interpreten Remus Azoitei und Eduard Stan fanden die Kommentatoren begeisterte Worte.
Die beiden Musiker waren noch einmal am
31. Juli zu hören.
